Szenen und Styles

Die extrem Rechte ist keine einheitliche, geschlossene Szene. Es existieren vielmehr unterschiedliche extrem rechte Szenen, deren Verhältnis zueinander teils von einem verbindenden Bewegungsanspruch und enger Zusammenarbeit, teils von pragmatischen Umgang, teils aber auch von Distanz bestimmt ist.

Die Einen sehen in PEGIDA und der AfD den Aufbruch einer neuen Bewegung und schließen sich dieser an, Anderen sind diese neuen Formate nicht radikal genug. Die Einen wollen Teil der Masse sein, Andere grenzen sich davon elitär ab. Die Einen sprühen vor Aktionismus, reisen Woche für Woche auf Aufmärsche und malen Transparente, die sie nachts an Autobahnbrücken hängen. Für andere extrem Rechte haben Fußballspiele oder Fitnessstudios eine höhere Attraktivität. Doch auch sie sind politisch aktiv. Allein wer sich in der Fußball-Fankurve mittels der Bekleidungsmarke Ansgar Aryan als »Arier« präsentiert, steckt mit dieser Aussage und der meist damit verbundenen Körpersprache einen Raum ab, aus dem Andere verdrängt werden – und handelt somit politisch.

In der nachfolgenden Betrachtung lässt sich allenfalls ein grobes Raster zeichnen. Denn das Patchwork aus Szenen, Styles und Symbolen ist heute in der extrem Rechten fast typischer als althergebrachte Eindeutigkeiten.

Bild 1 (oben): Teilnehmende eines Neonazi-Aufmarsches in Dortmund 2007

Bilder 2 und 3: Ob vollbärtige Hoolskins oder satanistische Black Metal Skinheads: In neonazistischen Szenen finden heute alle ihren Platz. Die männliche Person auf Bild 2 ist Musiker in mehreren Neonazibands, u.a. Permafrost.

Bild 4: Mitglied einer Magdeburger Rockergruppe (links) und ein Funktionär der Neonazipartei Die Rechte (rechts) auf einem Aufmarsch 2015.

Die Szene und »ihr« Style

Wenn Menschen einen Musikgeschmack oder eine politische Einstellung miteinander teilen und auf entsprechenden Veranstaltungen zusammenkommen, bilden sie noch keine Szene. Ein wichtiges Merkmal einer Szene ist, dass sich die Zugehörigen selbst als Szene wahrnehmen und von Außenstehenden so wahrgenommen werden. Szenen sind Zusammenschlüsse von Cliquen und Gruppen, die eine »Wir«-Identität in Abgrenzung zu »den Anderen« herausbilden. In ihnen findet eine ständige Selbstvergewisserung und Kommunikation statt, die das »Wir« und das Verhältnis zu »den Anderen« bestimmt. Dazu verfügen sie über eigene Kommunikations-Plattformen, Symbole, Codes und Rituale.

Ein weiteres szenebildendes Element ist häufig der Style: das optische Erscheinungsbild, die Ästhetik, Körpersprache und das Auftreten. Ein bestimmter Style kann jedoch in verschiedenen Szenen auftreten und eine – gerade politische – Szene muss nicht zwingend auf einen Style festgelegt sein.

Anschlüsse in kulturelle Szenen

Zur extrem rechten Alltags- und Erlebniswelt zählen vielfach Räume, die als »unpolitisch« deklariert sind. Diese finden sich beispielsweise auf manchen Oi- und Hardcore-Konzerten, Deutschrock-Partys, Rockertreffen, Kampfsportevents, Mittelalterfesten, Tattoo-Conventions oder in Fußball-Fankurven. Mal ist die Anzahl von Rechten kleiner, mal größer, mal halten sie sich an den »unpolitischen« Konsens und treten zurückhaltend auf, mal prägen sie das Geschehen und bestimmen über Ein- und Ausschluss.

Falls dies überhaupt als Problem erkannt wird, wird es meist als rechte Unterwanderung »anderer« kultureller Szenen dargestellt. Doch tatsächlich passiert es nur selten, dass sich extrem Rechte verkleiden und verstellen, um »andere« Szenen zu infiltrieren. Entweder sie entdecken eine Kultur für sich, adaptieren deren Mode und Musik und es entsteht eine neue Szene in der extrem Rechten. Oder extrem rechte Subszenen entwickeln sich innerhalb kultureller Szenen und finden von dort Anschluss an die »Nationale Bewegung«. Hierfür notwendige inhaltliche und stilistische Anknüpfungspunkte finden sich reichlich. Eine bedeutende Schnittstelle ist ein martialischer Männerkult und das ihm anhängende Image von Macht und Stärke.

black metal skins eingang © St. Heide
hoolskins © Kai Budler
rocker weißhemd © St. Heide

Martialischer Männerkult

Bild 2: Neonazis aus Deutschland aus dem Kreis der Hammerskins und der Kampfsportgruppe »Kampf der Nibelungen« auf Mallorca im Juni 2017. Sie störten ein Konzert im Lokal Bierkönig mit rechten Parolen und dem Zeigen der Reichskriegsfahne und sorgten damit in spanischen und deutschen Medien für Schlagzeilen.

Der Style einer Szene ist immer auch Projektionsfläche der in ihr idealisierten Geschlechterbilder. Extrem rechte Szenen sind durchweg Männerwelten, der Frauenanteil auf ihren Versammlungen liegt selten höher als 25 Prozent. Dort dominiert in der Regel die Inszenierung einer martialischen Männlichkeit, in der Stilelemente verschiedener Role Models – oft schon in einer Person – zusammenfließen: Der politische Soldat, der »urwüchsige« Mann mit langem Vollbart und Runen-Abzeichen sowie der hypermaskuline Kämpfer, der sich körperbetont, muskelbepackt und übersät mit Tätowierungen in Pose stellt. Sie alle verkörpern angeblich »wesensechte« männliche Eigenschaften: kämpferisch, stark und mächtig.

Einen weiteren Statusgewinn verspricht das Rocker-Outfit. Deren Symbol ist die »Kutte« – eine Lederweste, auf der sich Embleme und Codes befinden, die die Exklusivität der Gruppe deutlich machen sollen. Dutzende Neonazi-Gruppen treten heute in diesen Kutten auf, die meisten nennen sich »Bruderschaft«. Darüber kennzeichnen sie ihr Bedürfnis nach einer Gemeinschaft, in der eine »echte« und überhebliche Männlichkeit ohne Kompromisse gelebt werden kann.

Frauen finden in diesen Szenen nur Anerkennung, wenn sie die ihnen zugewiesenen, als weiblich festgelegten Rollen einnehmen und sich (und den Männern) stets versichern, die Geschlechterhierarchie nicht in Frage zu stellen. Auffallend ist ihr Bedürfnis, sich über antifeministische Positionen und die Abwertung »anderer« Frauen als »echte Frauen« zu profilieren.

[Dem Organisationsmodell und -label der Bruderschaft widmet das Antifaschistische Infoblatt (Nr.110) im Frühjahr 2016 seinen Schwerpunkt ›Rechte Brüder. Wenn Nazis mehr sein wollen als Kameraden‹.]

größe mannes eingang © Recherche Nord
hammerskins mallorca Quelle: Facebook

Rocker und Rotlicht

Bild 1: Das Auftreten im Rocker-Look verspricht Statusgewinn: Angehörige der der Blood Brother Nation (BBN) auf einem neonazistischen Aufmarsch.

Bild 2: Auftritt eines Musiker aus den Reihen der Neonazigruppe Vandalen

An vielen Orten bestehen Gruppen und Szenengeflechte, die Rocker, Hooligans und Kampfsportkreise verbinden, in denen zugleich extrem Rechte teilhaben oder tonangebend sind. Ihr Auftreten ist raumgreifend, sie beanspruchen die Herrschaft über ihr« Territorium, wirken in so genannten »Rotlicht«-Geschäften, im Tattoo-Business, in Kampfsport-Schulen und in Security-Diensten.

In diesen so genannten »Mischszenen« finden sich vor allem Neonazis ein, die dem Aktivismus der politischen Bewegung entwachsen sind und im Milieu von Rockern und Rotlicht ihren gefühlten »Aufstieg« und die Vollendung des Mann-Seins erleben. Sie grenzen sich demonstrativ von gesellschaftlichen Normen ab und labeln sich als Outlaws. Ihre populären Bekleidungsmarken und -motive drehen sich um Gangs und Gangster, Kampf und Kampfsport, Mafia, Waffen, Territorium, Stärke und Ehre. Was die hauptsächliche Identität des Einzelnen ausmacht – ob Rocker, Hooligan oder Neonazi – beschäftigt Außenstehende mehr als die fraglichen Personen selbst. Denn in ihrer Lebenswelt verbinden sich verschiedene Zugehörigkeiten, Stilelemente und Interessen ohne gefühlte Widersprüche.

Die extrem Rechten in diesen Milieus dienen sich pragmatisch denen an, die ihnen Macht und Statusgewinn versprechen. Auch wenn sie mitunter bereit sind, diesem Interesse »die Politik« unterzuordnen, so sind sie mitnichten Ausgestiegene. Man findet sie zahlreich auf Versammlungen der Neuen Bewegung von Rechts und in sozialen Netzwerken artikulieren sie ihre Verachtung gegenüber Muslim_innen, Geflüchteten, Homosexuellen und Frauen (»außer Mutti«).

BBN © St. Heide 2
vandale eingang

Fußball-Ultras und Hooligans

Bild: Party von rechten »Alt-Hooligans« 2013 in Berlin. Ein Neonazi, Anhänger des BFC Dynamo (Berlin) zeigt den Hitlergruß.

Bild: Ultras des BSG Wismut Gera bei einem Ligaspiel im Jahr 2016. Der Auftritt der Geraer Ultras sorgte für Schlagzeilen, da ein bekannter Neonazi aus ihren Reihen seinen Oberkörper entblößte und seine Tätowierung, u.a. Combat 18, sichtbar machte.

Fußball-Ultras gelten als größte Jugendkultur in Europa. Sie bieten politisch kein einheitliches Bild. Tatsächlich haben anti-rechte Ultragruppen in vielen Stadien dazu beigetragen, die rechte Hegemonie anderer Fangruppen zu brechen. Doch es gibt auch Ultragruppen, in denen extrem Rechte auftreten oder dominieren. Diese Gruppen entstanden oft als Abspaltungen aus nicht-rechten Ultragruppen und kennzeichnen das wachsende Selbstbewusstsein der Rechten auch in den Stadien. Während der harte Kern der Ultras in Deutschland einen Frauenanteil von fünf bis zehn Prozent aufweist, sind Hooligangruppen reine Männerbünde.

Die klassischen »alten« Hooligans, denen Fußballspiele, das Unterwegs-Sein und die Party genauso wichtig waren wie die Schlägereien, gibt es kaum noch. Ihre Freiräume in den Stadien wurden enger, der Umgang mit ihnen repressiver. Viele Hooligan-Gruppen gehen in den Milieus von Rockern und Rotlicht auf, das Fußball-Label ist für sie oft nur eine Erinnerung an frühere Zeiten.

fußball 1 eingang Quelle: Facebook
fußball gera © Presseservice Rathenow

Skinheads

Bild: Neonazistische Skinheads auf dem »Tag der deutschen Zukunft« 2013 in Wolfsburg.

Bild: Neonazistisches Skinhead-Konzert in Süddeutschland, ca. 2012

Die Skinheads prägten bis in die 1990er Jahre das Bild der Neonazis in Deutschland. Mit der Adaption moderner Lifestyles durch extrem Rechte kamen sie außer Mode. Tatsächlich sind der klischeehafte männliche Skinhead mit Glatze, Bomberjacke und Doc-Martens-Stiefeln und die ebenso klischeehafte Skinheadfrau, die »Renee«, mit ihrem Feathercut-Haarschnitt (oben kurz, an den Seiten lang) auf Neonazi-Versammlungen nur noch selten zu sehen. Jedoch sind Elemente der Skinhead-Kultur in die heute populären Stile der extrem Rechten eingeflossen.

In vielen Regionen gibt es noch extrem rechte Cliquen, die sich explizit als Skinheads verstehen und den »Skinhead Way of Life« aus Arbeitsethos, Partyexzess, Fußball und Schlägerei hochhalten. Eine Brücke zwischen extrem rechten und sich unpolitisch verstehenden Spektren bilden vielerorts Cliquen, die sich als »Oi-Szene« verstehen und/oder »Bootboys« nennen. Diese sind oft von Skinheads dominiert und nach eigenem Verständnis »unpolitisch«, doch häufig sind dort rechte Meinungen und Kontakte zu extrem Rechten festzustellen. Darüber hinaus gibt es nach wie vor antifaschistische Skinheads, die meist linken Strukturen verbunden sind.

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szenen skinheads konzert Bild zugespielt 2012

Plagiat und Provokation

Bild: »Autonome Nationalisten« auf einem Aufmarsch 2011.

Bild: Block »Autonomer Nationalisten« auf einem Aufmarsch 2016.

»Gegen Krieg, Ausbeutung und Unterdrückung« prangte als Parole auf einem Transparent, das Neonazis bei einer Demonstration am 1. Mai 2016 trugen. Dahinter marschierte ein »schwarzer Block«. Die selbsternannten »Autonomen Nationalisten« (AN) haben sich auf den Stil-Raub bei radikalen Linken spezialisiert. Sie sehen sich als Straßenelite des Neonazismus. Sie inszenieren sich als »schwarzer Block«, weil sie die Durchsetzungskraft der radikalen Linken für vorbildlich halten. Sie treten offensiv für einen »nationalen Sozialismus« ein und nutzen dazu Slogans, die mit Linken verknüpft sind: gegen Kapitalismus, gegen Imperialismus und Globalisierung, manchmal für Tierrechte und Vegetarismus. (Schein-)Linke Parolen interpretieren sie neu, mit Imperialismus meinen sie antisemitisch begründet die Politik der USA und Israels.

Als die AN um das Jahr 2004 erstmals auftraten, sorgten sie in und außerhalb der extrem Rechten für Verwirrung. Sie genossen die Aufmerksamkeit und prägten mehrere Jahre das Erscheinungsbild von Neonazi-Aufmärschen. Trendsetter sind die AN heute nicht mehr. Doch sie haben das Erscheinungsbild des Neonazismus nachhaltig verändert und neuere Gruppen wie das Antikapitalistische Kollektiv marschieren weiter in »schwarzen Blöcken«.

AN © St. Heide
AN 2016 © St. Heide

Zöpfe und Scheitel

Bild: Aus einem Lager der 2009 verbotenen Heimattreuen Jugend Deutschlands (HDJ).

Bild: Die Trommlergruppe der HDJ inszeniert sich als Hitler-Jugend (Foto von ca. 2008).

Es gibt sie natürlich noch, die NS-Nostalgischen: Neonazis, die sich ideologisch und stilistisch möglichst konsequent am historischen Nationalsozialismus orientieren. Für sie sind Piercings »negroides Verhalten«, Rap und Hardcoremusik »abartige Jugendkulte« (NPD/JN). Sie gestalten ihre Freizeit mit »körperlicher Ertüchtigung« und »deutschem Brauchtum«, treten in Zimmermannshosen und Hemden auf; Frauen tragen häufig Zöpfe, Männer mitunter akkurate Scheitel. Diese Kreise, die häufig als »die Völkischen« beschrieben werden, sind keine unbedeutende Minderheit im neonazistischen Gesamtspektrum. Organisationen wie die Junge Nationaldemokraten und die Identitäre Bewegung sind stark von diesem Stil beeinflusst, wenngleich es für viele kein Widerspruch ist, zu Zimmermannshose und Zöpfen Turnschuhe zu tragen.

Der harte ideologische Kern dieses Spektrums ist ständig bemüht, einen Rahmen zu organisieren, in dem Nationalsozialismus möglichst authentisch gelebt werden kann. Viele völkische Familien (»Sippen«) wohnen in regionaler Nähe zueinander, um gemeinsam einen Alltag zu gestalten, der ihre Gemeinschaft und insbesondere ihre Kinder von den Einflüssen der Moderne und der Popkultur so weit wie möglich abschottet.

hdj eingang © Recherche Nord
szenen hdj trommler Bild zugespielt 2008

Living History und Reenactment

Bild: Darsteller einer Reenactment-Gruppe bei einer öffentlichen Vorführung im Jahr 2016. Als Halsschmuck ist unter anderem ein gerundetes und ein achtarmiges Hakenkreuz (Kolovrat) zu erkennen. Auf die Stirn ist eine Tyr-Rune aufgemalt. Siehe auch Bild in der Galerie.

Extrem Rechte, die sich als germanisch stilisieren, bilden keine eigene Szene, sondern bewegen sich in verschiedenen rechten und nicht rechten Szenen – zum Beispiel in der Living History und im Mittelalter-Reenactment. Living History stellt historische Lebenswelten möglichst originalgetreu nach, Reenactment konkrete Ereignisse wie zum Beispiel Schlachten. In der Kritik an der Living History muss genau unterschieden werden zwischen einer seriösen Nachstellung dieser geschichtlichen Epochen und der ideologischen Aufladung des »Germanentums« durch extrem Rechte.

Die Auseinandersetzungen um Rechte drehen sich in diesen Szenen häufig um die Zurschaustellung von rechten Symbolen. Das Foto rechts von 2016 zeigt eine Person einer deutschen Reenactment-Gruppe unter anderem mit gerundetem Hakenkreuz als Halskette. In der Broschüre »Nazis im Wolfspelz« heißt es dazu: »Ein derart opulenter Halsschmuck bei einem Mann wäre im frühen Mittelalter völlig unüblich gewesen. [...] Der Grund für die ungewöhnliche Schmuckbegeisterung dürfte vielmehr in dem Wunsch begründet sein, möglichst viele Hakenkreuze zu präsentieren. Wikingerzeitliche Parallelen zu den vermeintlichen Repliken sucht man übrigens lange – und vergebens.«

[Die Umtriebe extrem Rechter in den Szenen der Living History und des Mittelalter-Reenactment sind umfassend beschrieben in der Broschüre ›Nazis im Wolfspelz. Germanen und der rechte Rand‹, herausgegeben 2016 vom Archäologischen Freilichtmuseum Oerlinghausen.]

reenact eingang © Bartosz Nowak
szenen reenactment kampf © Bartosz Nowak

»Identitärer Stil« als Marketingkonzept

Bild: Auftritt der Identitären Bewegung 2016 in München

Bild: Aufstellung von Aktivist_innen der Identitären Bewegung für den Fotografen vor einer menschenleeren Treppe am Berliner Hauptbahnhof.

Die neofaschistische Identitäre Bewegung (IB) gibt vor, einen eigenen »Identitären Stil« zu kreieren. Dieser ist am Reißbrett entworfen. In ihm verzahnen sich traditionelle Rückgriffe mit Elementen der Popkultur. Zum »Identitären Stil« gehören Inszenierungen als Volkstanzgruppen in Lodenkleidung und ebenso ein Auftreten, das »poppig« und »postmodern im positiven Sinne« erscheinen soll. Ästhetisches Ideal ist ein sportlicher Körper, doch die Identitären vermeiden ein allzu martialisches Erscheinungsbild, geben sich stattdessen smart und feinsinnig: Wir sind jung und akademisch gebildet. Neben geschichtlichen Bezügen stehen Zitate aus Hollywood-Streifen, sie verpacken ihre Propaganda in Instagram-Feeds und Internet-Memes und nennen sich ob ihrer Anleihen am Hipster-Stil selbst »IBster«.

Anhängerinnen werden Identitäten als »Frauen«, »Mädels« und »Identitariangirls« angeboten. Die klischeehafte völkische Mutter, die heimatliebende Romantikerin und das Girlie, das frech mit dem Baseballschläger (dem männlichen Gewaltsymbol schlechthin) posiert, sie alle repräsentieren – zumindest virtuell – den »Identitären Stil« (siehe Bilderreihe bei "Identitäre Bewegung").

Zum Auftreten der IB gehört eine sprachliche Mogelpackung, die insbesondere die rassistische Ideologie verschleiert. Sie propagieren nicht plump »Ausländer Raus!«, sondern nutzen unverbrauchte Vokabeln wie »Remigration«.

(Ausführlicher: Gruppen, Organisationen und Netzwerke / Identitäre Bewegung)

ib münchen © Igor Netz
szenen ib treppe © apabiz

Die »ganz normalen« Rechten

Bild: Aufzug der PEGIDA-Ableger BärGiDa (Berlin), Thügida (Thüringen) und Wir lieben Sachsen im März 2017.

Die Beschäftigung mit Szenen und Subkulturen lässt häufig jene außer Acht, die in keine der vorgenannten Kategorien zu passen scheinen. Die Teilnehmenden vieler PEGIDA-Veranstaltungen beispielsweise empfinden sich mehrheitlich als »die ganz normalen« Menschen und drücken dies konsequent in ihrem Stil aus.

Ein paar Tattoos, ein Piercing oder eine bunte Haarsträhne sind individuelle Noten, sie kennzeichnen keine Abgrenzung vom modischen Mainstream und markieren keine Zugehörigkeit zu einer subkulturellen Szene. Ihr Lebensstil ist von dem bestimmt, was sie zugleich als normal, überlegen und vorberechtigt empfinden: ihre Festlegung von gesellschaftlichen Normen und Werten, ihr Arbeits- und Leistungsethos, ihre traditionellen Geschlechter- und Familienbilder. Davon abweichende Lebensentwürfe werden untergeordnet und marginalisiert und schließlich offen angefeindet, wenn sie nach gesellschaftlicher Teilhabe und Gleichberechtigung trachten.

Auch PEGIDA repräsentiert eine Welt, die auf die Themen und Bedürfnisse von Männern zugeschnitten ist. Oft sind weniger als ein Fünftel der Teilnehmenden ihrer Versammlungen Frauen.

thügida © Presseservice Rathenow