Fallbeispiel »300«

Ein Hollywood-Film als rechter Selbstbedienungs-laden

»300« war im Jahre 2007 ein erfolgreicher Spielfilm, den in Deutschland eineinhalb Millionen Menschen in den Kinos sahen. Der Streifen ist die Verfilmung eines Comics und erzählt eine fiktive Version der »Schlacht bei den Thermopylen«, die etwa 480 v. Chr. stattfand. Damals sollen sich 300 Krieger aus Sparta, sogenannte Hopliten, an einem Gebirgsengpass in Griechenland einem vielfach überlegenen persischen Heer entgegengestellt haben. In dem Film weigern sie sich, zu kapitulieren und schaffen es, den Durchbruch der Perser für mehrere Tage aufzuhalten. Am Ende sterben sie als Helden und »freie Männer«.

Der Film verknüpft den Mythos des »Opfergangs« für Volk und Heimat mit weiteren Elementen soldatischer Männlichkeit: Kampfstärke, Todesmut, Pathos, Durchhaltewillen, die Verachtung der Schwachen sowie die Ästhetisierung von (männlichen) Kampf und Körpern. Die persischen Feinde werden im Film mit weiblichen Attributen dargestellt, beispielsweise Schmuck behangen und mit weichen Stimmen und affektierten Gesten.

Inspiriert durch »300« wurden die Krieger Spartas hierzulande für extrem rechte Gruppen wie die Identitäre Bewegung und die Hooligans gegen Salafisten (HoGeSa) zu historischen Bezugsgrößen. Die Hopliten werden von ihnen zu Verteidigern eines Europas gegen die »Invasion aus dem Morgenland« stilisiert. Neu ist diese Idee nicht: In einer Rede im Januar 1943 verglich Hermann Göring die Thermophylen-Schlacht mit der Schlacht um Stalingrad, um die deutsche Bevölkerung zum Durchhalten gegen den »Ansturm aus dem asiatischen Osten« anzuspornen. Den Kampf der 300 Spartaner bezeichnete Göring als »Beispiel höchsten Soldatentums«.

Symbol der Krieger Spartas war der griechische Buchstabe Lambda, ihr Schlachtruf im Film ist »Ahu!«. Das Lambda-Symbol, das die Hopliten (historisch verbürgt) auf ihren Schildern trugen, dient heute der Identitären Bewegung als Organisationsabzeichen.

Bei vielen rechten Kundgebungen und Aufmärschen werden »Ahu!«-Sprechchöre gerufen. »Ahu!« findet sich zudem auf Bekleidungs-Motiven (Bild 2) und dient – wie auch manches Filmzitat – in sozialen Netzwerken als Parole. Eine »berühmt-berüchtigte« Szene spielt zu Anfang des Filmes: Persische Gesandte erreichen Sparta und bieten dem spartischen König Leonidas an, die Bevölkerung der Stadt zu verschonen, wenn sie sich unterwerfen würde. Leonidas lehnt dies entschieden ab. Ein Abgesandter weist ihn auf die Tragweite seiner Entscheidung hin und meint ungläubig: »This is madness«. Leonidas antwortet ihm: »Madness? This is Sparta« und befördert ihn mit einem Fußtritt in einen Brunnenschacht. Auf diese Szene spielt beispielsweise das Shirtmotiv »This is Europe« an, das auf Bild 3 von einem Teilnehmer eines Neonazi-Konzertes in Thüringen 2017 gezeigt wird.

Bild 4 zeigt ein Shirt-Motiv der deutsch-österreichischen Neonaziband Terrorsphära, getragen in Berlin 2017. Die Aufschrift lautet: »Dieser Kampf auf Leben und Tod fordert - DEN MUT EINES SPARTANISCHEN HOPLITEN - DIE UNBEUGSAMKEIT EINES GERMANISCHEN BERSERKERS - DIE VISION EINES NIETZSCHEANISCHEN SCHÖPFERS«.

Die neonazistische Modemarke Ansgar Aryan entwarf ein Motiv »Spartan Division« (Bild 5), das an die »tapferen Spartiaten« und »unbeugsamen Verteidiger Griechenlands« erinnern soll. Ansgar Aryan wirbt damit, dass dieses auf 300 Exemplare nummeriert sei und das eine gedruckte Nummerierung aus jedem Shirt ein Unikat mache.

Bei einem Karnevalsumzug 2017 in Derenburg (Sachsen-Anhalt) kostümierten sich Aktivisten_innen der Identitären Bewegung als Hopliten und trieben mit Lanzen unter anderem eine Person mit einer Angela-Merkel-Maske vor sich her (Bild 1).

ahu frau © Chris Ritter
300 europe eingang © Marian Ramaswamy
300 terrorsphära groß © firm