QAnon / Q / WWG1WGA / Weißes Kaninchen

QAnon (sprich: Q-Anon) ist ein rechter Verschwörungsmythos, der vor allem in den USA und in Europa Anhänger*innen hat. Er basiert auf Inhalten, die unter dem Usernamen »QAnon« gepostet werden. QAnon gibt sich als Mitarbeiter der US-Regierung aus, der vorgeblich geheime Informationen enthüllt. Die Abkürzung »anon« steht für »anonymous« (dt.: anonym), der Zusatz »Q« spielt auf die höchste Sicherheitseinstufung des US-Energieministeriums an.

Die Posts von QAnon drehen sich zumeist um einen vermeintlichen Geheimbund »Deep State« (dt.: »Tiefer Staat»), dem liberale Prominente und Politiker*innen angehören würden. Dieser Geheimbund würde, so QAnon, weltweit Kinder entführen, um sie in geheimen Laboren zu foltern um einen Stoff für Verjüngungskuren (Adrenochrom) zu gewinnen. Im Kampf gegen diesen »Deep State« hätte das Militär Donald Trump zum Präsidenten gemacht.

Unter QAnon formieren sich in den USA ultra-konservative und extrem rechte Anhänger*innen von Trump in einer nahezu sektenhaften Glaubensgemeinschaft. In der Bundesrepublik hat sich unter anderem der Musiker Xavier Naidoo zu QAnon bekannt. Auch der Attentäter von Hanau, der am 19. Februar 2019 neun Personen aus einem rassistischen Motiv erschoss, bezog sich in einem von ihm veröffentlichten Video auf QAnon.

Erkennungszeichen von QAnon ist der Buchstabe »Q«. Es wird in unterschiedlichen Darstellungen gezeigt, oft auch auf Kleidungsstücke aufgemalt. Seit August 2020 wird das Q zunehmend auch von Anhänger*innen der "Querdenken"-Bewegung verwendet, jedoch in der Regel nicht alleinstehend, sondern in Zusammenhang mit dem Wort "Querdenken". Etliche Personen nutzen das Q auch doppeldeutig. QAnon-Anhänger*innen sind akzeptierter Teil der Querdenken-Bewegung, eine auffällige Schnittmenge gibt es zudem zwischen QAnon-Anhänger*innen und Reichsbürgern (siehe Bilder bei Reichsbürger).

Im QAnon-Spektrum wird die Abkürzung »WWG1WGA« benutzt. Sie steht für »Where we go one we go all« (dt. sinngemäß: »Einer für alle, alle für einen»), der gebräuchlichen Abschlussformel unter den Posts von »QAnon«, mit der die Gemeinschaft der QAnon-Anhänger*innen beschworen wird.

Bekannte Phrasen von QAnon sind »down the rabbit hole« (dt.: »rein in den Kaninchenbau») und »follow the white rabbit« (dt.: »Folge dem weißen Kaninchen»). Sie werden unter anderem als hashtags auf Twitter und als Shirt-Motive mit Kaninchen-Zeichnungen verbreitet. Sie beziehen sich auf die Erzählung »Alice im Wunderland« und auf den Film »The Matrix«. Sie stehen sinnbildlich dafür, dass Menschen beginnen, kleinen Zweifeln nachzugehen und dabei die verborgene Welt der Verschwörung entdecken.

Der QAnon-Mythos wird über Bücher, Videos und Kleidung im großen Stil vermarktet. QAnon-Artikel werden unter anderem von deutschen Neonazi-Versänden und von Amazon angeboten.

 

Bilder 4, 5, 9: In der Symbolik von QAnon gibt es zahlreiche Verweise auf die Populärkultur. Der QAnon-Slogan »Where we go one we go all«, abgekürzt WWG1WGA, wurde dem Spielfilm »White Squall« von 1996 (dt: White Squall – Reißende Strömung) entnommen. Der Film erzählt die Geschichte eines Schiffes, das in einem Sturm kentert. »Where we go one we go all« befindet sich als Gravur auf der Schiffsglocke. Im Mittelpunkt der Handlung steht der selbstlose Kampf der Crew-Mitglieder, die sich gegen den Untergang stemmen. So soll der Spruch den Zusammenhalt einer verschworenen Gemeinschaft ausdrücken.

Bilder 3, 6, 7: Die QAnon-Phrasen »down the rabbit hole« und »follow the »white rabbit« sowie die Zeichnungen des weißen Kaninchen beziehen sich auf die Erzählung »Alice im Wunderland« und auf den Film »The Matrix« von 1999. In »Alice im Wunderland« folgt die Hauptfigur Alice einem weißen Kaninchen in den Bau und betritt dort eine verborgene, fantastische Welt. In »The Matrix« erhält der Protagonist Neo die Botschaft »Follow the white rabbit« und schließt sich daraufhin einer Frau an, die ein weißes Kaninchen als Tätowierung trägt. Beide verlassen ihre künstliche Scheinwelt und gelangen in die echte Welt. Das weiße Kaninchen und die sich darauf beziehenden Metaphern stehen dafür, dass Menschen beginnen, kleinen Zweifeln nachzugehen und dabei eine gigantische Verschwörung entdecken.

 

v9-1 © Kim Winkler