Rechte Musik ist das aktuell wohl wichtigste Medium der neonazistischen Szene, um Jugendlichen rechte Inhalte zu vermitteln und den Kontakt zum organisierten Neonazismus herzustellen. Musik hat hierbei eine viel größere Bedeutung als z.B. Parteiprogramme, sie ist Teil des Alltags.
Die Produktion von RechtsRock kann in Deutschland in legal und illegal unterteilt werden. Im legalen Bereich hangeln sich die Bands meist mit ihren Texten dicht am Straftatbestand der Volksverhetzung vorbei. Für den »Untergrund« bestimmte Musik wird von entsprechenden Strukturen konspirativ produziert und vertrieben, die Produkte werden aufgrund strafrechtlich relevanter Texte häufig indiziert. Die NPD und die Gruppen der Freien Kameradschaften haben die Bedeutung der Musik längst erkannt und versuchen, ihren Einfluss durch die Verteilung kostenloser Werbe-CDs, den sogenannten Schulhof-CDs, zu erweitern.

Der 2005 von der NPD produzierte und bis heute mehrfach nachgepresste CD-Sampler Hier kommt der Schrecken aller linken Spießer und Pauker erreicht eine Gesamtauflage von mutmaßlich über 200.000 Exemplaren. Über die Organisierung von Konzerten versucht insbesondere die NPD rechten Jugendlichen Gemeinschaft und Erlebniswelt zu bieten, diese darüber weiter zu politisieren und zu integrieren. Beliebtheit und Party-Kompatibilität weit über die neonazistischen Szenen hinaus genießen die Veröffentlichungen so genannter Spaßprojekte, in denen MusikerInnen neonazistischer Bands populäres Liedgut nachspielen und mit extrem rechten Texten versehen.

Gigi und die braunen Stadtmusikanten covern bekannte Schlager, Die Faschistischen Vier covern Lieder der Popband Die Fantastischen Vier. Einen musikalischen Stil »Rechts- Rock« gibt es indes nicht. Rechts- Rock steht als Sammelbegriff für das Wirken rechter Bands in verschiedenen Musikbereichen. Es gab und gibt umfangreiche Bemühungen, bestimmte Musikrichtungen rechts zu besetzen bzw. in diesen einen »nationalen Flügel« zu etablieren. Standarte oder DJ Adolf bieten Technobeats unterlegt mit Hitler- Reden, die extrem rechten VertreterInnen in der Industrial-Szene nennen sich Rasthof Dachau oder Genocide Organ.

Auch im Hip-Hop müssen einzelne InterpretInnen als extrem rechts eingestuft werden. Versuche, rechte Bands aus verschiedenen Musikbereichen in Netzwerken zusammenzuführen und ein gemeinsames Verständnis als rechte Musikszene herzustellen, hatten bisher wenig Erfolg. Während Zugriffe der extremen Rechten auf manche Musikrichtungen nur als marginal angesehen werden können oder ins Leere laufen, sind deren Einflussnahmen und Adaptionsversuche in anderen Stilen und Szenen erfolgreicher. Diese sollen nachfolgend beschrieben werden.